Gendertalk – offener Brief des BVC an Autoren, Produzenten, Regisseure und Sendermitarbeiter in Deutschland

Liebe AutorInnen, RegisseurInnen, ProduzentInnen und RedakteurInnen,

 

Deutschlands Gesellschaft ist multikulturell und multisexuell! Das sehen wir alle jeden Tag und jede Nacht in unserem Leben, nur nicht in Film und Fernsehen.

Würden wir aber in diesen Medien zeigen, dass die Qualifikation eines Schauspielers oder einer Schauspielerin für die Besetzung einer Rolle entscheidend ist und nicht von Nationalität, Hautfarbe oder Geschlecht abhängt, hätten wir alle die Chance etwas in dieser Gesellschaft zu verändern und die massiven Vorurteile, die nach wie vor und dieser Tage sogar wieder verstärkt, bestehen abzubauen.

Wir freuen uns sehr, dass in den letzten Jahren eine Veränderung in der Art der Besetzung sichtbar wird und SchauspielerInnen mit Migrationshintergrund immer häufiger auch in tragenden Rollen besetzt werden, ohne dass deren Herkunft irgendeine Rolle in der Geschichte spielt.

Wir glauben aber, da geht noch mehr!

Daher möchten wir Sie gerne einladen zu einem Diskurs in der Hoffnung, eine noch größere Sensibilität für dieses Thema schaffen zu können. Einen Diskurs, in dem wir versuchen wollen ganz pragmatisch neue Lösungsansätze zu finden, um auch in fiktionalen Geschichten ein realistischeres Abbild unserer Gesellschaft zu erzählen.

Wir möchten uns als Verband und Berufsgruppe stärker einbringen. Gerne würden wir Ihnen zeigen, dass es in Deutschland sehr gute Schauspielerinnen und Schauspieler gibt, die allerdings aufgrund mangelnder Gelegenheiten nicht wahrgenommen werden, und Sie so darin unterstützen, mutige Ideen zu verwirklichen – ohne in die künstlerische Freiheit der AutorInnen eingreifen zu wollen! Unsere Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass wir durchaus bei einigen Nebenrollen in der Besetzung ein wenig nachjustieren können, was sehr erfreulich ist. Doch der Idealfall wäre, wenn schon im Drehbuch Rollenprofile geschaffen werden könnten, die die Gesellschaft zeitgemäßer und authentischer abbilden.

Kann zum Beispiel nicht auch eine afrikanisch aussehende Schauspielerin ohne Erklärung eine hochdeutsch sprechende Hauptrolle spielen?

Könnte die Rolle THOMAS nicht auch von einem Schauspieler mit asiatischem Background dargestellt werden oder die Rolle Prof. DR. MÜLLER von einer Frau? Und das alles ohne Erklärungsversuche, weil selbstverständlich.

Wir sind uns sicher alle einig, dass wir alle dasselbe Ziel haben:

Sehr gute Schauspielerinnen und Schauspieler in Film und Fernsehen sehen zu wollen. Da geht es uns nicht anders als unseren Zuschauern.

Gerne stehen wir für persönliche Gespräche oder eine Teilnahme an Ihrer Diskussionsrunde zur Verfügung.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie auf uns zukommen: bvc@castingverband.de.

Mit freundlichen Grüßen

 

Der Bundesverband Casting

 

Ein zentrales Anliegen des Verbandes ist die Förderung und Wahrung von Qualitätsmaßstäben bei der Rollenbesetzung.

Der BVC setzt sich ein für Qualitätsstandards und Seriosität bei der Besetzung von Rollen; die Etablierung, Stärkung und Pflege des Berufbildes des “Casting Director”;

den Informations- und Meinungsaustausch mit der Fachbranche, der Politik und den Medien;

eine verantwortliche Mitgestaltung filmpolitischer und struktureller Prozesse.

Mitglieder des BVC

(Stand März 2017)

Iris Baumüller

Tina Böckenhauer

An Dorthe Braker

Cornelia von Braun

Uwe Bünker

Gwendolyn Clayton

Deborah Congia

Ingrid Cuenca

Ursula Danger

Ana Dávila

Kristin Diehle

Anja Dihrberg

Karimah El-Giamal

Clemens Erbach

Fritz Fleischhacker

Corinna Glaus

Marion Haack

Annekathrin Heubner

Ruth Hirschfeld

Silke Klug-Bader

Sarah Lee

Heta Mantscheff

Ulrike Müller

Manolya Mutlu

Lisa Oláh

Stefany Pohlmann

Ines Rahn

Tina Rinderspacher

Susanne Ritter

Marion Rossmann

Eva Roth

Marc Schötteldreier

Sabine Schroth

Uta Seibicke

Charlotte Siebenrock

Stephen Sikder

Daniela Tolkien

Gitta Uhlig

Siegfried Wagner

Sabine Weimann

Antje Wetenkamp

Dorothee Weyers

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